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Interview mit Sascha Theisen (stepstone.de)

1)    Als eine der größten Jobbörsen in Deutschland veröffentlicht Stepstone monatlich ca. 36.000 Stellenanzeigen. Wie viele Stellenanzeigen schalten Sie pro Monat die Sie als Grüne Jobs bezeichnen würden?

Den genauen Anteil anzugeben fällt mir schwer, da es zwei verschieden Arten von Anzeigen gibt. Einerseits gibt es die Unternehmen die sich in dem Bereich Umwelt situieren lassen und zum Beispiel einen IT Spezialisten, also in diesem Sinne keinen Umweltspezialisten suchen. Andererseits gibt es einzelne Personen die ein bestimmtes Arbeitsfeld im Umweltbereich ausüben, ohne dass dessen Unternehmen als ein grüner Arbeitgeber positioniert werden kann. Aus dem Bauch heraus würde ich etwa 10% unserer Stellenanzeigen als grüne Jobanzeigen bezeichnen.

2)    In Deutschland gibt es heute laut des Bundesumweltministeriums eine Million grüner Jobs. Kann man da noch von einem Nischenmarkt reden?

Es ist klar dass dieser Bereich kein Nischenmarkt mehr ist. Mehr als eine Million grüner Jobs, das ist für mich ein Zukunftsjobmarkt. Eine Million Jobs sind nicht das Ende der Fahnenstange, das ist erst der Anfang. Diese Tendenz wird sich auch in den Ausbildungsberufsbereichen bemerkbar machen. Neue Ausbildungsberufe werden mehr Spezialisten in diesem Bereich ausbilden und dann dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen können.
 
3)    Herr Theisen, sind Sie der Meinung dass es trotz der Haushaltssperre für das Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien 2010 zu einem Zuwachs an grünen Jobs kommen wird?

Deutschland ist ein Vorreiter was dieses Thema angeht, trotz Haushaltssperre. Die Vorrausetzungen wurden in Deutschland schon durch den Atomausstieg geschaffen und die Wirtschaft kann davon profitieren, dass sie schon früh angefangen hat mit erneuerbaren Energien zu arbeiten. Die Entwicklung neuer Technologien verschafft Deutschland einen Vorsprung und bietet uns, als klassisches Exportland, die Möglichkeit die Nachfrage benachbarter Länder zu treffen. Die steigende Nachfrage dieser neuen Technologien muss ja bewältigt werden und bietet somit eine Vielzahl Neuer Arbeitsplätze. Das Bewusstsein, dass es wichtig ist in erneuerbare Energien zu investieren, wird von aktuellen Umweltkatastrophen wie der in den USA  bestärkt. Hier sieht man, dass die fossilen Energieträger an ihre Grenzen stoßen, sowohl was Verfügbarkeit als auch Sicherheit angeht.

4)    Sind Sie der Meinung dass Grüne Jobs bei Jobbörsen in eine eigene Brancheneinteilung aufgenommen werden sollten?

Das denke ich auf jeden Fall. Stepstone wird Ende dieses Jahres oder nächstes Jahr eine eigene Brancheneinteilung für diesen Bereich vornehmen. Dass dieses gerechtfertigt ist können Sie sehen, wenn Sie bei uns das Key Word „Erneuerbare Energien“ eintippen. Da erhalten Sie schon über 500 Treffer, Stellenanzeigen die von Sales Director bis zu spezialisierten Solaringenieuren reichen.

5)    Wie grenzt sich Stepstone von anderen Jobbörsen hinsichtlich des grünen Jobmarktes ab?


Wir haben das Thema als einen Zukunftsmarkt erkannt und wollen ein Branchenportal einführen. Außerdem haben wir bereits eine Rubrik Umwelt die andere nicht haben. Dadurch dass sich Stepstone als Fach- und Führungskräfte Jobbörse positioniert, bieten wir auch eine spezielle Klientel für suchende Unternehmen. Ich bin der Meinung, dass viele Unternehmen die grüne Jobs anbieten auf diese Fach- und Führungskräfte angewiesen sind. Da ist Stepstone ganz klar der am besten aufgestellte Stellenmarkt.

6)    An welche Bewerberzielgruppe richten sich Ihrer Meinung nach Grüne Jobs?

Hauptsächlich richten Sie sich natürlich an technische Berufsgruppen. Die Herstellung der erneuerbaren Energie-Technologien muss ja bereitgestellt werden. Die Lösungen müssen jedoch auch auf den Markt gebracht werden und von daher braucht es auch Vertriebler und Marketingexperten. Je größer die Unternehmen werden, desto stärker werden Sie auch die Strukturen eines großen Unternehmens einführen. Das bedeutet, dass große Unternehmen wie Eurosolar oder Solarworld auch Juristen, IT- und Finanzspezialisten brauchen.

7)    Was für Bewerber wollen grüne Jobs und wie findet man diese Zielgruppe?

Die Studenten die einen grünen Ausbildungszweig gewählt haben kommen jetzt auf den Markt. Wenn man als Unternehmen in der Lage ist diese Absolventen für sich zu gewinnen, dann hat man die Nase vorn. Als Arbeitgeber sind diese Jobs nicht nur für spezialisierte Solartechniker interessant, sondern auch immer mehr für Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaftler. Diese Unternehmen haben als Arbeitgeber einen Vorsprung, da sie ihren Mitarbeitern sagen können ‚Ihr macht hier was richtig Sinnvolles’. Gerade für junge Absolventen ist es wichtig den Job mit seinem Werteverständnis in Einklang zu bringen.

8)    Für welche Unternehmen sind Grüne Jobs besonders interessant?


Grüne Jobs sind aus der Idee entstanden, dass wir neue Energieformen entwickeln wollen welche Nachhaltigkeit beachten. Man muss aber auch sehen, dass es ganz klare wirtschaftliche Gesichtspunkte gibt die für erneuerbare Energien sprechen. Es ist ein klassisches Geschäftsfeld in welches immer mehr investiert wird. Da fällt mir zum Beispiel das Photovoltaikprojekt in der Sahara ein, welches das Ziel hat, Solarenergie bis nach Europa zu leiten. Es wird viel Geld in die Entwicklung neuer Energien investiert, und gerade Unternehmen wie Shell, welche auf Erdgas und Mineralöl Gewinnung konzentriert sind sehen dass es ein Zukunftsfeld ist. Grüne Jobs haben schon immer einen idealistischen Touch, gerade aus Marketinggesichtspunkten. Es ist aber auch immer mehr ein Wirtschaftsfeld das sich für die Unternehmen lohnt. Es gibt also zwei Trends: Grün ist Inn, anders als vor  zwanzig Jahren ist es in der jungen Generation wichtig Nachhaltig zu denken. Aber andererseits wissen große Energieunternehmen, dass fossile Energieträger in absehbarer Zeit nicht mehr zur Verfügung stehen werden und investieren von daher in die Zukunftsfelder erneuerbarer Energien. Da stellt sich nun die Frage, wer hat in zwanzig Jahren die Nase vorn?
 
Vielen Dank für dieses Interview Herr Theisen!
 
Interview geführt von: Friederike OCKERT