Neue Wege der Personalgewinnung mit „Mobile Recruiting“
Soziale Netzwerke und Termini wie Facebook, Twitter, Xing etc. werden heute zunehmend thematisiert. Stimmen werden laut, denen zufolge sich Unternehmen angesichts des demographischen Wandels an unkonventionelleren Wegen des Recruiting orientieren sollten, um qualifizierte Nachwuchskräfte an Bord zu holen. Printanzeigen zu schalten, eine ansprechende Karrierepage zu haben oder Annoncen auf Internet-Stellenbörsen zu veröffentlichen, sei nur eine Seite der Medaille. Manche Unternehmen haben daher begonnen, ihre üblichen Personalgewinnungsstrategien mit einer zunehmenden Präsenz im Social Web zu ergänzen, denn sie wollen dort auf Talente zugehen, wo diese sich aufhalten: “Consumer and their habits will continue to have a big say in how the market moves“, so die Beobachtung der Teilnehmer an der FOMR-Gesprächsrunde (Future of Mobile Marketing) in London im Mai 2010.
Dementsprechend werden immer neue (elektronische) Terrains ausgekundschaftet und neue Dimensionen erkundet: Der aktuelle Hype heißt „Mobile Recruiting“ bzw. „Mobile Media“! Laut dem Forschungsinstitut Gartner wird es im Jahre 2013 wahrscheinlich mehr mobile Internetzugänge geben als PCs. Die Informationstechnologie verändert den Jobmarkt! Daher gehen Experten davon aus, dass die Bedeutung des Mobile Net fürs Recruiting zunehmen wird. Beleuchten wir diesen Trend doch etwas genauer.
Was bedeutet eigentlich Mobile Recruiting?
Mobile Recruiting bezeichnet eine elektronisch unterstützte Form der Personalbeschaffung. Firmen treten mit potenziellen Bewerbern unter Verwendung von mobilen Endgeräten wie Handys oder Smartphones in Kontakt. Der Nutzer kann auf diesem Wege z.B. Stellenangebote, Einladungen zu Bewerbersprechtagen oder die Aufforderung, die unternehmenseigene Karrierepage zu besuchen, erhalten. Zielgruppe sind zum einen die jüngeren Leute wie Schüler, Abiturienten und Studierende, die zielgerichtet auf das Unternehmen aufmerksam gemacht werden sollen. Aufmerksamkeit, Attraktivität und Sympathie zu schaffen ist hier unerlässlich, um junge Talente frühzeitig an die Firma zu binden.
Auf der anderen Seite gibt es die Professionals, im Berufsleben stehende Leute mit wenig Zeit und Muße, abends am heimischen PC auf Jobsuche zu gehen. Ständiger Begleiter beider Target Groups ist das Mobiltelefon. Seine Nutzer sind im Regelfall sehr mobil und per Handy leichter zu erreichen als per stationärem Internetzugang. Ihnen ist es wichtig - sofern das Gerät Internetzugang besitzt - schnell, unkompliziert und jederzeit an egal welchem Ort Informationen jeder Art abrufen zu können. Dies kann das Wetter für das Wochenende betreffen oder eben Infos über Vakanzen bei bestimmten Unternehmen. Unternehmen können dies für sich nutzen und mit attraktiven Angeboten ihre Zielgruppe ansprechen. Die mobilen Geräte können somit nicht nur für Unterhaltung genutzt werden, sondern auch für die Jobsuche bzw. die Ansprache der Zielgruppe.
Formen des Mobile Recruiting
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Interessierte mobil über Jobangebote zu informieren:
- Jobangebote oder Newsletter per SMS: Es gibt einige Anwendungen, die nach einer Registrierung bei potenziellen Arbeitgebern oder Jobbörsen Informationen und Angebote per SMS zukommen lassen, die zum eigenen Profil passen.
- Bluetooth: Dieser kostenlose Service ist gerade für Schüler und Abiturienten interessant. Auf Karrieremessen werden Informationen via Bluetooth an Bewerber versendet, die daher völlig kostenlos für den Empfänger sind und die man ohne vorherige Registrierung erhalten kann.
- Mobile Tagging: Hierbei handelt es sich um einen in Printanzeigen oder Plakaten verwendeten QR-Code (Quick Response) zur optischen Codierung von Informationen, der, wird er mit dem Handy abfotografiert, von diesem decodiert und in Text umgewandelt, auf weiterführende Informationen im Internet verweist. Um den Service nutzen zu können, benötigt man lediglich eine Internet-Verbindung. Interessenten erhalten so zum Beispiel einen unmittelbaren Zugang zu einem bestimmten Bereich der Firmen-Homepage oder können sich aktuelle Stellenangebote auf dem Handy anzeigen lassen.
- Location Based Services: Bei dieser Option können Stellensuchende unter Nutzung der GPS-Position Jobanzeigen aus der jeweiligen Umgebung auf ihrem Handy, in der sie sich befinden, empfangen
- Social Web: Auf dem Display erscheinen Kurzinfos und Links zu Stellenanzeigen auf Facebook oder Twitter.
- Mobile Karrierepages: Einige Unternehmen arbeiten vermehrt an einer auf die Bildschirme von Smartphones zugeschnittenen Karriereseite, sodass Jobsuchende Stellenanzeigen komfortabel suchen und finden können (siehe nächster Abschnitt).
Herausforderungen des mobilen Internet
Auf der technischen Seite müssen natürlich einige Anpassungen vorgenommen werden, um die Nutzerfreundlichkeit zu perfektionieren. So muss die Hardware eine entsprechende Qualität aufweisen und sollte nicht zu preisintensiv sein. Softwareentwickler müssen Content und Format der Websites an den mobilen Gebrauch und das kleinere Handyformat anpassen, ohne dass dadurch ein Informationsverlust entsteht. Tiefer liegende Inhalte und Menüs sind schwieriger zu erreichen. Zudem erhöhen geringere Datenübertragungsraten die Ladezeiten der Seiten
Alle dargestellten Infos müssen jedoch rasch und unkompliziert zu erfassen sein, einfache Bedienbarkeit ist das A und O. Genauso wichtig ist eine stabile Internetverbindung, denn es kann ja doch vorkommen, dass das Surfen durch andere Dinge wie eingehende Anrufe, Um- bzw. Aussteigen etc. unterbrochen wird. Auf jeden Fall gibt es hier genügend Gestaltungsmöglichkeiten, mit denen sich Unternehmen bei erfolgreicher Handhabung positiv in den Augen der Nutzer und so vor der Konkurrenz positionieren können.
Wer betreibt bereits Mobile Recruiting?
- Aushilfe-direkt.de bietet eine lokal funktionierende Mobile Recruiting App, die Anbieter von Aushilfsjobs direkt mit potenziellen Aushilfen, die sich vorher auf der Website registriert haben, in der Umgebung verbindet. Das direkt über die Website abgesandte Gesuch erreicht automatisch alle registrierten Aushilfen per Handy. Diese können sich dann direkt über ihr mobiles Endgerät beim Absender melden.
- Auch der Sneakeranbieter Sidestep bietet seinen jungen Bewerbern die Möglichkeit der ersten Kontaktaufnahme per SMS und verspricht sich davon einen Imagevorteil gegenüber der Konkurrenz. Außerdem sei die Hemmschwelle seitens der Bewerber geringer, so Sidestep selbst über seine innovative SMS-Option. Nachdem der Interessent eine Short Message gesandt hat, wird er vom Personalverantwortlichen zum Telefoninterview gebeten. Erst danach, wenn er durch seine Persönlichkeit überzeugt, wird der Bewerber die vollständigen Unterlagen einschicken.
- Die Münchner Werbeagentur Berger Baader Hermes realisierte im Rahmen der Mitarbeiterrekrutierung eine Mobile Tagging Kampagne. Ein QR-Code wurde in Stellenanzeigen integriert, z.B. in Fachzeitschriften, durch Aushänge an Universitäten, Fachhochschulen, Akademien oder bei der Verteilung auf Messen und Branchenevents. Ziel war die Ansprache technologiebegeisterter Kandidaten sowie die Kreation einer innovativen, kreativen und aufmerksamkeitsstarken Stellenanzeige.
Status Quo der mobilen Kandidatenansprache
Zum jetzigen Zeitpunkt steckt das Mobile Recruiting noch in den Kinderschuhen und weist eher experimentelle Züge auf. Betriebe investieren selbst noch weitgehend kleinere „Restbudgets“ in für den mobilen Zugriff optimierte Karrierewebseiten. Informationen über messbare Erfolge von bisherigen Mobile Recruiting-Kampagnen beschränken sich daher eher auf die Darstellung der innovativen Seite dieser Form der Rekrutierung.
Laut einer Studie zum Stand der Bewerberansprache über mobile Endgeräte sind den meisten befragten Unternehmen die mobilen Möglichkeiten noch zum großen Teil unbekannt, das Interesse sowie die Einsicht in das Potenzial jedoch vorhanden. Vor allem in der Entwicklung einer mobil abrufbaren Karrierepage sehen die Befragen zunächst das höchste Nutzenpotenzial.
Ist Mobile Recruiting auch für mein Unternehmen interessant?
Grundvoraussetzungen für ein Engagement in diesem Bereich bilden insbesondere vorausgehende Planungsschritte und strategische Vorüberlegungen. Mit Blick auf die geringe Applikationsdichte seitens der Unternehmen kann sich diese Rekrutierungsform noch nicht mit den etablierten Medien messen. Mit quantitativ hohen Bewerberkontakten ist zudem eher nicht zu rechnen, da das Handy weniger zur Masseninformation dient als vielmehr auf die Ansprache bestimmter Personen ausgerichtet ist. Zusammen mit dem Vorteil, Bewerber ortsunabhängig erreichen zu können, steht hier also mehr die Qualität der Kontakte im Vordergrund. Aktuell ist ein Engagement im Bereich Mobile Recruiting vor allem für solche Unternehmen interessant, die sich ein Image als Innovationsführer aufbauen und zudem junge und technikaffine Bewerberzielgruppen ansprechen möchten.
Ein frühzeitiger Aufbau von entsprechenden Kompetenzen in den Personalabteilungen sowie die Integration von Mobile Recruiting in das Aufgabenfeld sind für einen nachhaltigen Kampagnenerfolg empfehlenswert. Für Unternehmen, deren Zielgruppen weniger Technikbezug aufweisen oder die sich nicht im Bereich Innovation positionieren möchten, kann es hingegen vorteilhaft sein, zunächst die weitere Marktentwicklung zu beobachten und sich erst später als „Follower“ dem Mobile Recruiting anzuschließen.